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Chronik

Die Entstehung

Das preußische Gesetz über Kleinbahnen und Privatanschlussbahnen vom 19. Juli 1892 gab der hannoverschen Provinzialverwaltung die Möglichkeit, die ihr zufließenden Mittel auch zur Förderung des Baues von Kleinbahnen zu verwenden. Dies geschah seit 1894 durch Ausführung von Bauarbeiten für neue Bahnen, Projektüberwachung der Bauausführung und Einrichtung des Betriebes, sowie durch Hergabe von Darlehen an die Kleinbahneigentümer. Seit dem Jahre 1906 unterstützte die Provinz die Kleinbahngesellschaften weiter durch Übernahme von Aktien und Beteiligungen.

So wurden auch die Voraussetzungen für den in den Jahren 1910 bis 1912 durchgeführten Bau der Kleinbahn Delmenhorst - Harpstedt geschaffen.

Die damals rund 8.000 Bewohner des späteren Bahngebietes betrieben überwiegend Landwirtschaft. Sie führten ihre Erzeugnisse wie Kartoffeln, Heu, Stroh und Vieh vielfach nach Bremen aus. Zum größten Teil wurden jedoch die Güter per Fuhrwerk nach den nächstgelegenen Staatsbahnhöfen gefahren.

Dorther bezogen sie auch durchweg ihren Bedarf an Düngemitteln, Baumateriealien und nicht zuletzt Getreide, denn die Schweinemast stand in voller Blüte. Das hatte zur Folge, dass die Mühlen, als industrielle Betriebe in vorderster Linie standen. Aber auch sonst gab es an industriellen Anlagen Molkereien, Kornbrennereien, Holzschuh- und Sitzmöbelwerkstätten. In Harpstedt, sowie unter anderem auch in Heiligenrode waren zahlreiche Geschäftsleute und Handwerker ansässig und die in der Nähe von Harpstedt liegenden Wälder verfügten über erhebliche schlagbare Holzbestände.

Trotz dieses guten Verkehrsaufkommens fehlte dem an der oldenburgischen Grenze liegenden Teil des Kreises Syke eine seit langem gewünschte Bahnverbindung. Die nächstgelegenen Staatsbahnhöfe konnten nur mit großem Zeitaufwand erreicht werden. Vielfach wurden auch die Wege nach Bremen direkt gemacht, was eine volle Tagesreise erforderte.

Dieser Zustand hinderte die wirtschaftliche Entwicklung in den vom Eisenbahnverkehr nicht erschlossenen Ortschaften sehr. Eine Bahn direkt nach dem Kreissitz Syke zu bauen, wurde hinsichtlich der Rentabilität als nicht wirtschaftlich angesehen. Der Anschluss an die Hansestadt Bremen bereitete Schwierigkeiten, denn die bestehende Kleinbahn Bremen - Thedinghausen wäre zu überschneiden gewesen.

So wurde der Entschluss gefasst, in Delmenhorst an die Staatsbahnstrecke Bremen - Wilhelmshaven anzuschließen. Es bestand auch die Absicht, die Bahn später einmal von Harpstedt nach Barnstorf an die Staatsbahnstrecke Bremen - Osnabrück weiter zu führen. Durch die dann erreichte Verbindung zweier Hauptstrecken glaubte man, infolge des zu erwarteten Durchgangsverkehrs die Wirtschaftlichkeit des Bahnunternehmens besonders günstig zu gestalten.

Als am 6. Juni 1912 die 22,5 km lange, mit 4,9 km im oldenburgischen und 17,6 km im preußischen Gebiet liegende Kleinbahn von Delmenhorst über Annenheide, Stelle, Groß Mackenstedt, Heiligenrode, Kirchseelte, Groß Ippener und Dünsen nach Harpstedt ihren Betrieb eröffnete, wurde ein Verkehrsmittel seiner Bestimmung übergeben, das die Entwicklung des wirtschaftlichen Lebens in den folgenden Jahren recht günstig beeinflusste.


Wirtschaftliche Wechselbäder


Sowohl der Personen-, als auch der Güterverkehr entsprechen in den ersten Jahren voll den Erwartungen. Bereits in den Jahren 1913 bis 1915 wurde der nur dem Personenverkehr dienende Haltepunkt Annenheide zum Bahnhof für den Personen-, Express– und Güterverkehr ausgebaut und das Heiligenroder Bahnhofsgebäude durch einen größeren Neubau ersetzt.

Mit Aufnahme des Zugbetriebs am 6. Juni 1912 verkehrten täglich 4 Personenzüge je Richtung, denen bei Bedarf Güterwagen mitgegeben wurden und zusätzlich jeden Sonnabend ein Güterzug, der hauptsächlich dem Viehtransport diente. Ein Zugpaar musste bereits 1914 aufgrund des Ersten Weltkrieges und den damit eintretenden Betriebserschwernissen gestrichen werden. Mit Beginn des Winterfahrplans 1917/18 musste Sonntags ein Zugpaar gestrichen werden und mit dem Winterfahrplan 1919/20 ruhte der Zugverkehr an Sonntagen völlig.

Wegen des Arbeitskräfte- und Baustoffmangels konnte die Kleinbahn ihre Anlagen nicht in dem erforderlichen Umfang erneuern. Erst nach 1920, nach Aufgabe des Ruhrkampfes und Herstellung stabiler Geldverhältnisse im Jahre 1923, begann der weitere Ausbau der Kleinbahn. So wurden neue Betriebsmittel beschafft, die baulichen Anlagen auf den Bahnhöfen erweitert und von 1925 bis 1927 entstand in Delmenhorst zwischen dem Staatsbahnhof und dem Haltepunkt Hasporterdamm der neue Güterbahnhof Delmenhorst-Süd an der Grüne Straße.

Seit dem 1. April 1924 setzte die Kleinbahn ein drittes Zugpaar ein und seit dem 20. März 1925 verkehrten auch wieder vier Zugpaare, im Sommer an Sonn- und Feiertagen sogar fünf. Erstmals wurden auch für den Güterverkehr besondere Züge eingelegt. Damit konnten die Personenzüge die bisher die Güterwagen mitführten beschleunigt werden, da das zeitaufwändige Ausrangieren der Güterwagen auf den Unterwegsbahnhöfen entfiel. Da die Orte zwischen Heiligenrode und Harpstedt beliebt bei Ausflüglern waren, verkehrten ab 1928 für einige Jahre an Sonn- und Feiertagen in den Sommermonaten durchgehende Personenwagen zwischen Bremen Hauptbahnhof und Harpstedt. Die Kleinbahnverwaltung gab sogar ein 64-seitiges Wanderbuch heraus.

Seit 1930 sanken die Beförderungszahlen aufgrund der sich verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse und Zunahme des Automobilverkehrs wieder. Hieran änderte sich erst mit Einsetzen der allgemeinen wirtschaftlichen Gesundung im Jahre 1934 wieder etwas.
Die Zeit des Dritten Reiches

Das Jahr 1933 brachte den Tiefstand für die Bahn. Ab 1934 trat nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten eine Besserung der finanziellen Ergebnisse ein. Seit 1935 sind die Ergebnisse durch die allgemeine Gesundung der Wirtschaft, besonders aber infolge der Baustoffbeförderung für die militärischen Anlagen in Dünsen und Delmenhorst-Adelheide günstig gestaltet worden. Zur Bedienung der militärischen Anlagen entstanden zwei Anschlussgleise mit einer Länge von insgesamt 7,7 km von den Bahnhöfen Annenheide und Groß Ippener aus.

Um den Personenverkehr wirtschaftlicher und attraktiver zu gestalten, beschaffte die Kleinbahnverwaltung 1936 zwei Schienenbusse der Bauart Hannover bei der Waggonfabrik Wismar. Mit der Inbetriebnahme konnte das Fahrplanangebot erweitert werden. Durch die ständig steigenden Transportleistungen sah sich die Kleinbahn zur Bestellung von zwei Triebwagen (1939/40) bzw. einer Lokomotive (1943) gezwungen. Diese dringend benötigten Fahrzeuge konnten jedoch infolge der Materialknappheit während des Krieges nicht mehr geliefert werden.

Der Zweite Weltkrieg ging auch an unserer Kleinbahn nicht spurlos vorbei. Mehrmals war sie das Ziel von feindlichen Luftangriffen. Einen schweren Angriff erlebte sie in der Nacht zum 24. Juli 1940, als auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände bei einem englischen Fliegerangriff vier Wagen eines aus zehn Wagen bestehenden Munitionszuges explodierten. Bei dem Angriff wurde ein Wachsoldat getötet und zahlreiche Gebäude, sowie fast alle Fahrzeuge beschädigt bzw. zerstört. Als die Front schließlich näher rückte, ruhte vom 8. April 1945 an der Zugbetrieb. Erst am 6. August konnte dieser wieder aufgenommen werden.


Neubeginn, Modernisierung und Niedergang des Personenverkehrs auf der Schiene


Mit Ende des Zweiten Weltkriegs ging der Kleinbahn ein bis dahin wichtiger Kunde verloren: das Militär. Die Munitionsanstalt Dünsen existierte nicht mehr und auf dem Flugplatz Delmenhorst-Adelheide waren Flüchtlinge einquartiert. Durch den Einsatz von Arbeiterzügen nach Adelheide und durch „Hamsterfahrten“ der Städter aufs Land stieg die Zahl der beförderten Personen nach einmal enorm an (1947: 657.295 Personen), um dann ab 1949 kontinuierlich zu fallen.

Seit 1949 unterhält die Kleinbahn als Ergänzung zum Schienenverkehr auch wieder einen Kraftverkehrsbetrieb. Im Gegensatz zum Kraftverkehrsbetrieb der Vorkriegsjahre (1930 - 1939) wurden die Busse nunmehr im Linienverkehr eingesetzt.

Einen kurzen aber kräftigen Aufschwung brachte der Bau der Delmenhorster Umgehungsstraße (B 75) in den Jahren 1957/58, die im Ortsteil Düsternort auf einem Damm angelegt wurde. Den hierfür erforderlichen Sand  gewann man in Kirchseelte. Den Transport übernahm die Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahn GmbH, so die seit dem 14. Juni 1951 aktuelle Bezeichnung des Unternehmens. Insgesamt wurden für den Straßenbau neben dem übrigen Güter– und dem Personenverkehr 786.100 t Sand zwischen Kirchseelte und Delmenhorst befördert. An beiden Orten wurde extra Anschlussgleise in die Sandgrube bzw. zur Baustelle verlegt.

Mitte der fünfziger begann dann die Ablösung der unwirtschaftlichen Dampftraktion durch Beschaffung von zwei altbrauchbaren Dieseltriebwagen und einer noch fast fabrikneuen Henschel-Diesellok für den Güterverkehr. Trotz dieser Rationalisierungsmaßnahmen und Übernahme von Beförderungsleistungen für die Deutsche Bundesbahn auf den Strecken Delmenhorst - Lemwerder und Delmenhorst - Bremen-Huchting in den Jahren 1963 - 66 konnte der Verkehrsrückgang nicht aufgehalten werden. Insbesondere der Schienenpersonenverkehr musste immer größere Fahrgastverluste hinnehmen, so dass sich die Betriebsleitung schließlich gezwungen sah, diesen an Sonn– und Feiertagen im Herbst 1964 und an Werktagen am 23. September 1967 auf Busbetrieb umzustellen.
Die neuere Entwicklung

Im Zuge der Höherlegung der Strecke Bremen - Oldenburg auf einen Damm innerhalb des Delmenhorster Stadtgebietes erfolgte eine Neutrassierung der DHE-Einführung in den Bahnhof. Die Anlagen im Personenbahnhof wurden aufgegeben und das Gleis mittels einer neuen Kurve direkt an den Güterbahnhof angeschlossen, der nun ohne Umsetzen der Lokomotive erreichbar ist.

Nach Einstellung des Personenverkehrs konnte die beförderte Gütermenge zunächst noch etwas gesteigert werden. 1970 erfolgte dann die Verlegung des Stückgutverkehrs auf die Straße und Mitte der 1970er Jahre folgten die herbstlichen Rübentransporte, was einen empfindlichen Rückschlag bedeutete. Fortan hatte das Unternehmen mit einem ständigen Auf und Ab im Güterverkehr zu kämpfen.  Seit 1985 blieb die Lok Nachts in Delmenhorst und kehrte nur zum Wochenende nach Harpstedt zurück. Güteraufkommen gab es in dieser Zeit meist nur zwischen Delmenhorst und Annenheide/Adelheide.

Für die Aufnahme eines Schienenwerksverkehrs im Jahre 1991 zwischen dem MeisterMarken-Werk (heute CSM Deutschland GmbH) in Delmenhorst-Süd und einem an der Adelheider Anschlussbahn gelegenen Hochregallager der Spedition Federal Express (heute DHL Logistics) wurden eine neue funkferngesteuerte Diesellok und erstmals seit langer Zeit wieder eigene (gebrauchte) Güterwagen beschafft. Die beförderte Menge stieg damit wieder erheblich an, sodass auch die 90 000 t-Schwelle wieder überschritten wurde.

Episoden blieben Transporte der Fensterfabrik Winter von Thedinghausen nach Heiligenrode (1993 - 1997) oder Mülltransporte von Annenheide aus (1999 - 2012).

1998 konnte der Güterverkehr auf der DB-Strecke Delmenhorst - Hasbergen und ab 2000, nach dem Kauf der Strecke durch die Kommunen, auch bis Lemwerder erweitert werden. Hier übernimmt die DHE auch die Betriebsführung. Aufgrund der nicht vorhandenen Kunden und größeren Investitionsbedarf in die Infrastruktur ist der Abschnitt Hasbergen - Lemwerder seit Ende 2009 gesperrt. Die Gleise im Bereich Lemwerder sind mittlerweile zurückgebaut worden. Der Oberbau der eigenen Strecke konnte dagegen in den letzten rund 20 Jahren nahezu komplett erneuert werden.

Heute besteht der Eisenbahnfahrzeugpark der DHE aus den Diesellokomotiven 9 (Schöma, 1991/5173) und 10 (Gmeinder, 1963/5266), sowie den zweiachsigen Kühlwagen 1 bis 8, dem geschlossenen Güterwagen 9  und den vierachsigen Maschinenkühlwagen 10 bis 13. Weiterhin vorgehalten wird auch der historische Triebwagen 121 (WUMAG, 1940/71004).

Seit dem 3. September 1978 verkehren auch wieder Personenzüge auf der Strecke. Seit diesem Tag verkehren Museumszüge des Vereins Delmenhorst - Harpstedter Eisenbahnfreunde e.V. nach einem festen Fahrplan und unter der Bezeichnung Historische Kleinbahn „Jan Harpstedt“ auf der Strecke. Zunächst kam dabei der Triebwagen 121 der DHE zum Einsatz, der in den Folgejahren durch vereinseigene Wagen ergänzt wurde. Vor 20 Jahren, am 1. Mai 1992, kehrte dann auch der Dampfbetrieb auf die DHE-Strecke zurück.


Der Kraftverkehr

Die Kleinbahn Delmenhorst - Harpstedt eröffnete am 28. August 1930 ihren Omnibusbetrieb. Sie setzte zunächst einen gebraucht erworbenen Bus im Gelegenheitsverkehr ein. Schon 1935 wurde dieser durch einen neuen Mercedes-Bus ersetzt. Dieser musste 1939 an die Wehrmacht abgegeben werden.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs  wurde am 6. September 1949 der heutige Kraftverkehrsbetrieb eröffnet. Diesmal dienten die Busse aber der Ergänzung des Eisenbahnbetriebs. Die erste Linie 44 führte von Harpstedt über Heiligenrode und Groß Mackenstedt nach Bremen und ermöglichte endlich eine Direktverbindung in die Hansestadt. Als weitere Linie wurde ab 3. November 1954 die Strecke Harpstedt - Groß Ippener - Delmenhorst bedient. Am 2. April 1962 kamen dann noch die  Linien Bassum - Harpstedt (von Bundespost übernommen), Twistringen - Harpstedt (von Bundespost übernommen) und Bassum - Syke hinzu. Die Linie Harpstedt - Heiligenrode - Harpstedt folgte am 28. Mai des gleichen Jahres.

Heute betreibt die DHE 10 Tages– und 2 Nachtlinien. Zudem ist man für den ehrenamtlich betriebenen Bürgerbus Wildeshausen verantwortlich. Für den Gelegenheits– und Reiseverkehr stehen zudem zwei moderne Reisebusse zur Verfügung.

Ein 1954 eingerichteter LKW-Verkehr (Güternah–, Güterfern– und Stückgutverkehr) endete kurz nach der Bahnreform 1997.


Wir wünschen der DHE für die nächsten 100 Jahre alles Gute.





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